Zwei Mitglieder des Design-Teams führen mit einer Testperson eine Inhouse-Testing-Session durch.

Blog

Inhouse Testing: Wie wir Service-Prozesse realitätsnah prüfen

21.09.2026

Warum treffen wir keine Feature-Entscheidung ohne Inhouse-UX-Tests?

Die Entwicklung neuer Features folgt bei uns einem klaren Prinzip: Eine Funktion ist erst dann gut, wenn sie sich in der echten Anwendung bewährt. Daher prüfen wir nicht nur die technische Machbarkeit oder den theoretischen Nutzen, sondern untersuchen im Detail, wie die Lösung in der Praxis besteht.

Testing ist daher fest in unserer Arbeitsweise verankert. Statt uns auf Vermutungen zu verlassen, stützen wir uns auf die Erkenntnisse aus realitätsnahen Nutzungssituationen. Nur so gelingt es uns, die “Entwickler-Perspektive” zu verlassen und einen bewusst objektiven Blick von außen einzunehmen. In realitätsnahen Testing-Sessions identifizieren wir Hindernisse frühzeitig und optimieren diese für ein hohes Qualitätsniveau. Das ist für uns die Voraussetzung, um eine reibungslose Customer Journey und eine durchgehend intuitive User Experience zu gewährleisten.

Wie läuft ein typischer User Experience Test ab?

Ein Test beginnt mit der Auswahl realistischer Szenarien, wie zum Beispiel der Ersteinrichtung eines Routers. Wir wählen gezielt Testpersonen aus, die möglichst wenig Vorwissen zum Produkt mitbringen und nicht in die Entwicklung involviert sind. So nähern wir die Tests den Voraussetzungen späterer NutzerInnen möglichst gut an. Die Durchführung liegt beim Designteam, das die App, die Geräte und die Aufgabenstellung vorbereitet. 

Die Testleitung beobachtet still und ohne steuernde Eingriffe, um Entscheidungswege, Unsicherheiten und Verständnisprobleme sichtbar zu machen. Dabei ist das bewusste Zulassen von Fehlern und Scheitern eine wertvolle Datenquelle. Die Testperson kommentiert ihre Schritte, indem sie ihre Gedanken laut ausspricht,, während dabei Momente des Zögerns, Fehlklicks oder Umwege in der Benutzeroberfläche von uns dokumentiert werden. 

Ein wertvolles Learning aus früheren Tests war beispielsweise die Reaktion auf Ladezeiten: Ohne Fortschrittsanzeige wurden Testpersonen schnell unsicher und fragten sich, ob sie einen Fehler gemacht hätten. Die Einführung eines Ladefortschrittssymbols war hier die direkte Konsequenz, um den NutzerInnen die nötige Sicherheit im Prozess zurückzugeben.

Diese systematische Analyse von Verständnisfragen und Prozessabbrüchen zeigt uns hier deutlich: Eine gute User Experience ist weit mehr als ein reines Designthema. Es geht darum, die Nutzer bei jedem Schritt aktiv zu begleiten und durch einen selbsterklärenden Prozess sicher zum Ziel zu führen. 

Hier weiterlesen: Was verständliche Führung ausmacht und warum Self-Service nur aus der Nutzerlogik heraus funktioniert.

Was uns ein Serviceprozess Testing über echte Nutzerlogik verrät

Aus den Beobachtungen dieser Testreihen gewinnen wir wertvolle Erkenntnisse, die weit über rein technische Fehler hinausgehen. Das Testing deckt schonungslos auf, wo die tatsächliche Nutzerlogik von unseren geplanten Abläufen abweicht.

“Hin und wieder zeigt uns eine Testperson, dass wir viel zu technisch gedacht haben. NutzerInnen navigieren aus ihrer Alltagssituation heraus manchmal an Stellen, an denen wir sie gar nicht erwartet hätten. Genau das ist für uns wertvoll, weil es uns zeigt, wo wir noch klarer führen müssen.” - Tatjana & Katharina aus unserem Designteam 

Typische Stolpersteine, die wir dabei aufdecken, sind etwa Fachbegriffe, die missverstanden werden, oder Schritte, deren Reihenfolge nicht der Erwartung der NutzerInnen entspricht. Auch eine zu hohe Informationsdichte bremst den Prozess oft aus: Texte werden von den NutzerInnen dann meist nur noch überflogen, aber inhaltlich nicht mehr voll erfasst.

Besonders wertvoll ist für uns diese Sichtbarkeit von Mikro-Hürden. Diese vermeintlich kleinen Reibungspunkte können später Unsicherheiten erzeugen und Supportkontakte begünstigen. Eine zentrale Erkenntnis unserer Arbeit ist daher, dass oft schon minimale Anpassungen im Ablauf die größte positive Wirkung auf die Usability haben. Das Testing dient uns somit als notwendiger Realitätscheck, um unsere internen Annahmen mit den tatsächlichen Bedürfnissen und der individuellen Nutzerlogik abzugleichen und daraus konkrete Optimierungsmaßnahmen abzuleiten.

Was echte Learnings aus dem Usability Testing verraten

Aus den Auswertungen unseres Design-Teams wird schnell klar: Ein Usability-Test endet nicht, sobald die Aufgaben durchlaufen sind. Wenn eine Testperson an einer Hürde scheitert, beginnt für uns die eigentliche Arbeit. Jede identifizierte Schwachstelle in unseren Produktlösungen betrachten wir nicht als Fehler, sondern als wertvollen Impuls für die Weiterentwicklung. In anschließenden Nachgesprächen sowie detaillierten Analysen untersuchen wir genau, welche Ursache zum Abbruch oder zu Unsicherheit geführt hat.

Daraus nehmen wir vor allem vier Kern-Learnings für unsere Service-Prozesse mit:

  • Anwendbarkeit vor reiner Design-Optik: Barrierefreiheit, verständliche Sprache und die einfache Nutzbarkeit stehen für uns immer an erster Stelle – weit vor einer reinen „schönen“ Optik. Ein Prozess ist dann gut, wenn Menschen ihn direkt und ohne Erklärung erfolgreich durchlaufen können.
  • Sicherheit durch Orientierung: Oft reichen schon minimale Anpassungen – wie ein klarer Statushinweis oder Zeitangaben, um Ängste abzubauen. Wer zu jedem Zeitpunkt weiß, wo er sich im Prozess befindet, bricht diesen nicht vorzeitig ab.
  • Nahtloser Transfer in die IT: Die Erkenntnisse aus den Testberichten fließen bei uns direkt in die Abstimmung mit der IT ein, um Barrieren gezielt aus dem Weg zu räumen.
  • Spürbarer Erfolg für den Self-Service: Wir stellen fest - unsere Testings zahlen sich aus! Ein anschauliches Beispiel ist die Router-Ersteinrichtung. Der optimierte Userflow bietet klare Orientierung bei jedem Schritt und erleichtert so NutzerInnen, das Gerät eigenständig in Betrieb zu nehmen.

Letztendlich ist für uns ein Prozess erst dann wirklich rund, wenn er NutzerInnen sicher, barrierefrei und ohne Umwege ans Ziel führt. Da sich die Erwartungen wie auch Technologien ständig weiterentwickeln, bleibt unser Inhouse Testing für uns eine dauerhafte Aufgabe, um die User Experience kontinuierlich zu verbessern.

Nina Lugert

Weitere Beiträge

Nutzerzentrierter Kundenservice: Warum Self-Service nur mit Nutzerlogik funktioniert

15.09.2026

Digitale Self-Service-Angebote scheitern oft, wenn sie rein technologisch statt aus der Perspektive der Nutzenden gedacht sind. Durch konsequentes Human-Centered Design passt sich die Technik der menschlichen Logik an, verhindert Prozessabbrüche und entlastet die Hotline nachhaltig.

Conntac Connect: Fünf Gedanken aus Gesprächen mit Netzbetreibern und Stadtwerken

16.04.2026

Die erste Conntac Connect in Augsburg mit Leitfrage: Welche Herausforderungen zeigen sich aktuell im Alltag von Serviceorganisationen?

Alle Fäden in der Hand: Wie Stefanie durch abteilungsübergreifenden Austausch echten Mehrwert schafft

11.03.2026

Stefanie schafft als Schnittstelle zwischen Sales, Development und Marketing echten Mehrwert und hebt damit die Customer Experience auf das nächste Level.

Werden Sie Conntac Insider

Abonnieren Sie unseren LinkedIn-Newsletter The Conntac Chronicles, um relevante Einblicke und Perspektiven zu aktuellen Themen und Herausforderungen im Bereich moderner Service-Lösungen zu erhalten.

Woman giving a high five